Energiewende und der Ausstieg aus der Kernenergie

27.10.2020 enexion

Je näher der Tag des Ausstiegs aus Kohle- und Atomstrom rückt, desto lauter werden die Stimmen derjenigen, die sich mit der Physik dahinter beschäftigen. Beherrschten die Debatten in der Vergangenheit eher die emotionalen, ethischen Aspekte der Kohle- und Atomverstromung, sind im Hinblick auf die bereits getroffenen Entscheidungen mittlerweile die echten Zahlen in den Vordergrund gerückt. Das Problem der „Stromlücke“, die wir erwarten, drängt nun auch in die Köpfe derjenigen, die bislang sich von den vollmundigen Versprechungen der Befürworter des schnellen Ausstiegs haben blenden oder auch überrennen lassen.

Schauen wir auf die aktuelle Entwicklung der Diskussion rund um das Thema Kernkraft, die vor allem im Ausland immer lauter wird.

Ein Blick auf diese Karte belegt, wie viel sichere, gut steuerbare und damit bedarfsgerechte Stromerzeugung mittels Kernenergie bereits ´abgeschaltet` wurde. In den kommenden gut 2 Jahren wird das Werk des Ausstiegs aus der Kernkraft vollendet werden. Die 6 noch verbliebenen Kernkraftwerke werden 2021 bzw. 2022 vom Netz genommen. Die Grafik von Statista veranschaulicht die Entwicklung der Stromerzeugung in den vergangenen Jahren:

Es fällt auf, dass die verbliebenen Kernkraftwerke sehr leistungsstark sind. Sie produzieren nahezu die Hälfte des Stroms, der auf dem Höhepunkt der Stromerzeugung mittels Kernkraft erzeugt wurde. Diese knapp 76 TWh sollen nun innerhalb der nächsten 2 Jahre auch wegfallen. Dem Dilemma des Austauschs sicherer Stromerzeugung (Kernkraft, fossiler Energieträger) durch  die höchst volatile Stromproduktion mittels Wind- und Fotovoltaik-Kraftwerken wurde bereits ein Artikel in dieser Kolumne gewidmet.

Da wundert es nicht, wenn aktuell Stimmen laut bzw. medial kommuniziert werden, die für einen Aufschub der Abschaltung der verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland plädieren. Neben dem Wegfall von 75 TWh Strom aus Kernenergie pro Jahr, wird es zum Phänomen eines CO2-Anstiegs in Deutschland kommen. Das wiederum entspricht nun gar nicht der Intention der Energiewende. Deren Ziel ist doch ausdrücklich die Senkung des CO2-Ausstoßes. Zwar trägt Deutschland lediglich gut 2% – Europa 10% – zum weltweiten CO2-Ausstoß bei. Man will gleichwohl ein gutes Vorbild sein und zeigen, dass Deutschland die Energiewende schafft. Da ist ein Abschalten von Kernkraftwerken schlicht kontraproduktiv.

Zwei Klimaaktivisten – Technikhistorikerin Anna Veronika Wendland und Physik-Chemiker Rainer Moormann -, die sich von Kernkraftgegnern im Lauf der Jahre zu Kernkraftbefürwortern gewandelt haben, haben in der ZEIT diese Forderung veröffentlicht:

Der Gastbeitrag erläutert ausführlich den Sachverhalt, der oben beschrieben wurde. In einem WELTplus-Artikel vom 2.10.2020 begründet Frau Wendland ihre Meinung:

Die deutschen KKW sind sicherheitstechnisch extrem robust aufgestellt und nicht mit Tschernobyl und Fukushima gleichzusetzen. Opfer und Umweltbelastungen aus Kernenergie sind vergleichsweise gering im Vergleich mit anderen Industrien, die wir auch nicht abwickeln.

Das Entsorgungsproblem wird aufgebauscht. In Deutschland gibt es längst ein funktionierendes Endlager für hochtoxischen Chemieabfall. Die Aufgabe, radioaktiv strahlenden und Wärme entwickelnden Müll zu sichern, ist zwar anspruchsvoller, aber machbar. Man muss das Endlager auch nicht eine Million Jahre lang bewachen, sondern nur in der Zeit bis zum Verschluss.

Kernkraftwerke sind sehr teuer in der Anschaffung, aber wegen ihrer sehr hohen Arbeitsverfügbarkeit und Lebensdauer in der Bilanz so günstig wie Erneuerbare. In der Betriebszeit eines modernen KKW von 60 bis 80 Jahren muss man zwei bis drei Windparks desselben Outputs verschrotten. Auch profitieren Kernkraftwerke wie die Erneuerbaren von einer CO2-Bepreisung.

Dass Stromerzeugung mittels Kernkraft weltweit Bestandteil im ´Kampf gegen den menschenverursachten Klimawandel` ist, belegt dieser Chart.

Deutschland ist das einzige große Industrieland, welches komplett aus der Kernkraft aussteigen will.

Dabei heißt es sogar im „IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C …“ auf Seite 25: […] Zu den bewerteten Optionen [der CO2-Vermeidung, der Autor] aus dem Energieversorgungssektor gehören erneuerbare Energien (Biomasse und Nicht-Biomasse), Kernenergie, CCS mit Bioenergie und CCS mit fossilen Brennstoffen. […] Anmerkung: CCS wird in einem kommenden Artikel dieser Kolumne näher beleuchtet.

Leider kommt der Appell „Stoppt den Atomausstieg“ sehr spät, faktisch zu spät. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Energieversorger und Kraftwerksbetreiber, die anstehenden Abschaltungen noch verhindern können oder wollen. Zu weit sind die Vorbereitungen vorangeschritten. Die gesetzlichen Vorgaben sind eindeutig. Dass sich kurzfristig eine relevante Debatte über dieses Thema ergibt, wagen wir zu bezweifeln. Denn: Den wohl mächtigsten Gegner hat die „Atomkraft ja bitte“-Fraktion in den Betreibern selbst. Der Energiekonzern RWE erklärte auf Anfrage kurz und bündig, man betrachte das Thema „schon seit Jahren als erledigt“. Auch Guido Knott, Chef der E.ON-Atomtochter Preussen Elektra, will den Schalter nicht mehr umlegen. „Wir konzentrieren uns auf den sicheren Betrieb unserer drei noch laufenden Kraftwerke Brokdorf, Grohnde und Isar 2 bis zu den gesetzlich festgeschriebenen Terminen und werden diese dann sicher, zügig und technisch innovativ zurückbauen“, sagte er unserer Redaktion. Fünf weitere Anlagen befänden sich bereits im Rückbau. „Ein Weiterbetrieb der Kraftwerke“, schloss Knott kategorisch aus, „das ist für uns keine Option.“

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